Geschichte

Die Geschichte des Favoritner Athletik Club von 1910 beginnt nicht erst mit dem Eintrag in das Vereinsregister, welche am 19. August 1910 erfolgte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Favoriten schon viele Gstätten und Plätze auf denen wilder Fußball zelebriert wurde. Eine dieser Gstätten war die sogenannten „Steinmetzwiese“, ein offenes Areal in der Nähe der Gudrunstraße in Richtung zum heutigen Gellertplatz. Dort spielten die Arbeiterkinder ihren Fussball, auch ein gewisser Matthias Sindelar hat dort seine ersten Kunststücke gezeigt.  

Im Sommer 1910 entschlossen sich dann einige Mitglieder des Kegelklubs „Favorit“, einen neuen Verein zu gründen: den Favoritner Athletik Sport Club, später einfach Fav AC genannt. Eine in keiner Chronik zu findende Legende sagt, dass der erste Obmann dieses Vereines, der sich mit Fußball, Kegeln und Tanzen beschäftigte, eine Frau gewesen sein soll, deren Namen aber heute keiner mehr kennt.  

Auf der Steinmetzwiese erwarb der Verein bereits 1911 – die Verbandsmeldung erfolgte am 21. Dezember 1910 beim damaligen Niederösterreichischen Fußballverband (der WFV wurde erst nach der Trennung von Niederösterreich und Wien  gegründet) – ein Areal, wo sie ihre Bewerbsspiele austrugen. Der Erste Weltkrieg unterbrach die sportliche Betätigung, die Männer wurden eingezogen und der Platz von der k.u.k. Armee in ein Kriegshospital verwandelt. Wie so viele andere Vereine in Wien musste der Fav AC seinen Spielbetrieb weitestgehend einstellen, da weder die Spieler noch der Platz vorhanden waren.  

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie war der Fav AC ohne eigenen Platz, da die Stadt Wien ihren alten Platz selber beanspruchte. Also tingelte man einige Jahre, genauer von 1918 bis 1921 auf anderen Plätzen herum, so am Herthaplatz in der Troststraße oder am Platz des FC Wien, beide Plätze gibt es schon lange nicht mehr. Erst im September 1921 konnte der Favoritner AC einen neuen Platz anmieten: die Wagemannschen (in anderen Chroniken Wegemanschen) Gründe, den heutigen Platz in der Kennergasse 3. Fleißige Hände zäunten das Areal ein, ein kleines Klubhaus wurde errichtet und die Erdwälle für die Zuschauer kamen vom Bürgerplatz (ab 1924 Reumannplatz), wo das Amalienbad errichtet wurde.  

In dieser Zeit – es war der Übergang vom „Halbprofessionalismus“ hin zu einem Profifussballtum in Österreich (welcher 1924 abgeschlossen war) konnte der Fav AC immer weiter im für uns heute undurchschaubaren Ligasystem aufsteigen. Durch die damals nicht unüblichen politischen Differenzen verursacht, trat der Fav AC als typischer Wiener Arbeiterverein 1926 aus dem WFV aus und in den VAFÖ (Verband österreichischer Arbeiterfußballer) ein. Es war eine erfolgreiche Zeit des Arbeitersports, der sich hier gegen den bürgerlichen Fußball behaupten konnte. Auf dem Platz fanden oftmals Doppelveranstaltungen statt, ein B-Länderspiel gegen Ungarn konnte mit 3-2 gewonnen werden und der Höhepunkt dieser Arbeiterbewegung war die Arbeiterolympiade 1931, die im neu errichteten Praterstadion stattfand. 

Der Februaraufstand 1934 beendete diese Phase und die Vereine des VAFÖ lösten sich entweder auf oder gliederten sich wieder im WFV ein. So auch der Fav AC, der zwischen 1936 und 1938 erstmals in der obersten Spielklasse ankam.  

Erneut kam ein Weltkrieg mit seinen schrecklichen Folgen und stoppte den Erfolgslauf des Fav AC. Viele Spieler mussten einrücken, einige flüchten und der Platz wurde während der Kämpfe um Wien im April 1945 in Mitleidenschaft gezogen.  

Nach dem Kriege dauerte es bis 1951, ehe der Platz wieder für einen regulären Spielbetrieb hergerichtet war – Zeitzeugen zufolge nutzt ihn die Rote Armee auch als Kartoffelfeld – und der Fav AC konnte wieder an alter Wirkungsstätte weitermachen. Dass er dies konnte, verdankte er auch dem Umstand, dass die sowjetische Besatzungsmacht in Österreich die Sportverbände nicht wie in der DDR verboten hatte (die Moskauer Deklaration 1943 nannte Österreich ja als Erstes Opfer Hitlerdeutschlands) und so spielte der Verein weiter in der Liga, pendelte immer wieder zwischen der zweiten und dritten, einmal in den Fünfzigerjahren auch vierten Leistungsstufe. Dazu gibt es im Onlinearchiv der Arbeiterzeitung ( http://www.arbeiter-zeitung.at/ ) viele Berichte und Schnurren nachzulesen. 

Dann kamen die Siebzigerjahre und die Zeit des langjährigen Sponsors VUZEM. Der Fav AC erreichte mehrmals die zweithöchste Spielklasse, der bisherige Ascheplatz, auch „Rote Erde“ genannt wurde unter der Regierung von Bürgermeister Leopold Gratz in einem Rasenplatz umgewandelt. Spieler wie Englisch oder Acs sorgten damals für Furore und so zog man in der Saison 1983 erneut in die Bundesliga ein. Spiele vor 2 – 5.000 Zuschauern waren keine Seltenheit, vor allem die Duelle mit der relativ neu in den Bezirk zugezogenen Wiener Austria waren gut besucht. Nicht zuletzt deshalb, weil einige Austrianer ihre Packln beim Fav AC zerrissen. 1985 musste man allerdings den Gang in die zweite Liga antreten und erreichte seit damals nie wieder die oberste Leistungsstufe. Es war auch die Zeit, als ein gewisser Peter Stöger beim Fav AC zum Fussballpielen begann. 

In den Neunzigerjahren versuchte der Fav AC erneut, ganz nach oben zu kommen. Zwei Halbfinaleinzüge in den ÖFB Cup, ein Hallentitel beim legendären Stadthallenturnier 1993, wo man die Wiener Austria bezwang, waren der Erfolg. Der RLO Titel 1995 berechtigte sie damals außerdem, in der zweiten Bundesliga zu spielen, wo sie sich bis 1997 halten konnten. Finanzielle Turbulenzen mit Sponsoren – hier sei ein gewisser Herr Sharif namentlich genannt, falscher Einkaufspolitik und einem gewissen Teil an Größenwahn zwangen den Verein, sich im Frühjahr 1997 aus der zweiten Bundesliga zurückzuziehen, ein halbes Jahr später wurde man dann in die Regionalliga Ost eingereiht. Dort tauschte man mit Simmering die Plätze und spielte somit in der Wiener Stadtliga. Leider war die Mannschaft nicht in der Lage, diese Liga zu behaupten, der Fav AC stieg erstmals in die 5. Leistungsstufe, die damalige Oberliga ab.  

Die Saison 2001/2002 brachte den Fav AC erneut in die Wiener Stadtliga, wo man seither ununterbrochen spielt. Dies war auch ein Verdienst eines gewissen Tommy Weigl, der mit seinen Toren dafür verantwortlich zeichnete. In der Stadtliga ist der Fav AC mehrmals knapp am Aufstieg in die RLO gescheitert, vor allem unter den Trainern Horst Peschek, Kurt Jusic und Rudi Flögel. Ein Spieler aus dieser Zeit, Goran Mladenovic schaffte es 2004/2005 vom Fav AC direkt zum damaligen Bundesligisten Schwarzweiss Bregenz zu wechseln. Aber auch Spieler wie Ellerich, Weidener, Santner, Pokorny, Freundorfer, Dimitrijevic, Slawik, Tercek, Palalic, Milosevic und natürlich Kadir sind heute jedem Fussballfan in Wien ein Begriff. Die Liste ist sicher nicht vollständig und kann beliebig erweitert werden.  

Seit dem Beinahe-Crash macht es sich der Fav AC zur Aufgabe, den eigenen Nachwuchs an die Kampfmannschaft heranzuführen und hatte in dieser Zeit oftmals die Mannschaft mit dem jüngsten Durchschnittsalter. Jugendarbeit wird beim Verein immer großgeschrieben und ist trotz der sehr starken Konkurrenz im Bezirk, ich nenne da nur TWL, Wienerberg und natürlich die Wiener Austria mit ihrem Nachwuchszentrum, heute ein Eckpfeiler des Vereines. Integration ist bei uns kein Schlagwort, sondern der ganz normale Alltag, den es eigentlich seit Beginn gegeben hat. Dies wird auch dem migrantischen Charakter des Bezirkes geschuldet. Es gab in diesen Jahren Zeiten, wo der Fav AC die halbe Stadtliga mit guten Spielern versorgte und auch einige herausbrachte. Einer dieser Spieler, Milan Petosivic schaffte es 2017, nach nur einer halben Saison, von der Kennergasse bis in die zweite US Profiliga, zu Saint Louis FC. Inzwischen spielte er bei Dinamo Vranje in Serbiens erster Liga.

Nach drei weniger erfolgreichen Jahren Anfang der 2010er Jahre haben wir heute – auch dank eines engagierten und leidenschaftlichen Obmannes Mikica Miladinovic – wieder eine funktionierende Mannschaft, einen gut aufgestellten Nachwuchs und eine Zukunftsperspektive, von der wir hoffen, dass sie sich auch zu großen Teilen erfüllen wird. Dafür machen sich viele, viele ehrenamtliche Helfer stark, denn das Motto „Tradition trifft Zukunft“ gilt heute genauso wie vor fünfzig Jahren. Der älteste, noch im Bezirk spielende Verein ist sich seiner Verantwortung sehr wohl bewusst und wir werden alles daransetzen, auch in den kommenden hundert Jahren weiter ein Fixpunkt im sportlichen Leben des Bezirkes zu sein.